Lebenslinien – erzählte Lebenswelten
Projektkurzvorstellung Lebenslinien – erzählte Lebenswelten
Das Projekt Lebenslinien richtet sich an Frauen mit Migrationshintergrund, die durch biographisches Erzählen und theatrale Ausdrucksformen ihre sprachlichen, kommunikativen und darstellerischen Fähigkeiten erweitern. Es eröffnet ihnen die Möglichkeit, ihre eigenen Geschichten zu erzählen, in Worte, Gesten und Bewegungen zu übersetzen – und so ihre Stimme zu finden und hörbar zu machen. Sprache und Theater verschmelzen zu einem Erfahrungsraum, in dem Selbstbewusstsein wächst, Resilienz gestärkt wird und aus vielen individuellen Geschichten eine gemeinsame, vielstimmige Erzählperformance entsteht.
Jede Frau trägt eine Geschichte in sich – Geschichten von Herkunft, Wandel, Verlust und Neubeginn.
Das Projekt Lebenslinien schafft einen kreativen Raum für Frauen mit Migrationshintergrund, in dem Sprache und Theater als zentrale Werkzeuge der Selbstermächtigung genutzt werden. Sprache ist Grundlage für Kommunikation, Integration und gesellschaftliche Teilhabe. Sprache ist die Basis ein jeglicher gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Sprache ist die Basis jeder beruflichen und persönlichen Entwicklung. Sprache ist die Basis des Denkens und der Ordnung. Über Sprache können Emotionen und Empfindungen ausgedrückt werden. Dadurch nimmt der Mensch seine gesellschaftliche Identität und seine Selbstwirksamkeit wahr. Sprachmächtigkeit bedeutet demnach Selbst-Mächtigkeit, selbst die Welt zu erleben, die Welt zu teilen, die Welt zu verändern.
Die Gruppe als geschützter Rahmen.
In der Gruppe finden die Teilnehmerinnen Wege, ihre Biografie in Sprache zu fassen. Dabei geht es nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern um das Erleben von Sprache als Brücke zur eigenen Identität und als Türöffner in eine neue Heimat. Die Theaterarbeit erweitert dieses Spektrum: Stimme, Mimik, Bewegung und Präsenz lassen Ausdruck entstehen, wo Worte fehlen – und machen erfahrbar, wie stark jede einzelne Frau ist.
Das performative Erzählen
Durch das Erzählen persönlicher Geschichten entdecken die Teilnehmerinnen ihre eigene Ausdrucksfähigkeit und erweitern ihre sprachlichen Kompetenzen. Das performative Erzählen bindet dazu die Theaterarbeit ein und schafft Zugänge über Stimme, Gestik, Mimik und Körperpräsenz, die über das gesprochene Wort hinausgehen. Die Teilnehmerinnen erarbeiten sich ein Repertoire an darstellerischen Fähigkeiten – Stimmbildung, Ausdruckstraining und performative Gestaltung – das nicht nur künstlerisch, sondern auch im Alltag und Beruf stärkt.
Die Lebensgeschichten der Frauen bilden das thematische Fundament: Erfahrungen von Migration, Hoffnung, Verlust, Neubeginn und Zukunftsperspektiven werden gemeinsam reflektiert, in Sprache gefasst und performativ umgesetzt. Aus den Erzählungen und Szenen entsteht im Verlauf ein Mosaik aus Lebenswegen, Hoffnungen und Träumen. Am Ende steht eine gemeinsame Aufführung, in der die Frauen zeigen: „Wir sind hier, wir haben etwas zu sagen, und wir werden gehört.“
Öffentlicher Resonanzraum
Die Abschlussveranstaltung dient dabei als öffentlicher Resonanzraum: Hier erleben die Frauen, dass ihre Stimmen gehört werden und ihre Geschichten Bedeutung haben. Aber auch für die Zuhörenden Erfahrungsaustausch und die Wahrnehmung der Vielfalt kultureller Identitäten. Das Projekt trägt damit zur Sprachförderung, psychosozialen Stabilisierung, Integration und Resilienz Steigerung bei.
Zieldefinition
Kommunikation: Ausbau sprachlicher Kompetenzen, Erwerb von Präsentationsfähigkeiten.
Integration: Stärkung kultureller Identität, Sichtbarkeit von Vielfalt in der Öffentlichkeit.
Psychohygiene: Reflexion persönlicher Erfahrungen, Förderung von Resilienz.
Selbstwirksamkeit: Persönlicher Ausdruck über Theater, nachhaltige Stärkung von
Selbstbewusstsein und Selbstwahrnehmung.
Zielgruppe
Frauen mit Migrationshintergrund unterschiedlicher Generationen, Lebenslagen und kultureller
Hintergründe. Angesprochen werden insbesondere Frauen, die ihre sprachlichen Fähigkeiten
erweitern, ihre persönliche Geschichte reflektieren und ihre Ausdruckskraft entwickeln möchten.
Methodik
Biographisches Erzählen mit Erzählimpulsen und Reflexion
Theatrale Arbeit (Stimme, Bewegung, Ausdruck, Bühnengestaltung)
Wechsel von Einzel-, Kleingruppen- und Plenumsarbeit
Zusammenführung der individuellen Geschichten zu einem performativen Gesamtbild
Durchführung einer öffentlichen Abschlussaufführung Projektzeitraum: Februar 2026 bis Dezember 2026
Abschlussveranstaltung November 2026
14tägige Gruppentreffen á 1,5 Stunden
Einzelgespräche Coaching und Einzelproben für jede Teilnehmerin
10 Teilnehmerinnen
Zeitplanung
Februar 2026: Projektstart, Kennenlernen, Einführung in Sprache und Theaterarbeit
März–September 2026: 14-tägige Gruppentreffen (1,5 Std.), begleitende Einzelcoachings,
biographisches Arbeiten, theatrale Übungen
Oktober/November 2026: Intensivproben, Vorbereitung und Durchführung der Abschlussaufführung
Dezember 2026: Reflexion, Auswertung und Dokumentation
Vorstellung der Kooperationspartner/innen
Metagalaktisches Zentrum Spektrum e.V.
Das Zentrum ist ein gemeinnütziger Verein in Osnabrück, der seit 2006 aktiv Menschen aus den GU- Staaten bei der Integration unterstützt. Unser Ziel ist es, durch gegenseitige Hilfe unseren Mitgliedern den Start in Deutschland zu erleichtern, ihnen Sicherheit zu geben und sie zu befähigen, selbst aktiv neue Wege und Errungenschaften zu gestalten. Gemeinsame kulturelle Aktivitäten stehen bei uns im Mittelpunkt. Sie ermöglichen es uns, das Leben und Treiben in Osnabrück besser kennenzulernen und zugleich die Kultur unserer Herkunftsländer zu präsentieren. Unser Leitmotiv „Was wir im Inneren tragen, das geben wir weiter“ begleitet all unser Handeln. Es spiegelt sich in unserer Arbeit wieder: Wir überwinden gemeinsam sprachliche, kulturelle, psychische und alltägliche Herausforderungen und fördern gleichzeitig den Austausch mit anderen Bevölkerungsgruppen, umdie Vielfalt der Kulturen einander näherzubringen. Durch das gemeinsame Erlernen der deutschen Sprache und das Kennenlernen der Kultur gewinnen unsere Mitglieder Selbstvertrauen und Sicherheit im Alltag. Schritt für Schritt fühlen sie sich in ihrer neuen Heimat heimischer und gestärkter.
Natalia Gärtner
Natalia Gärtner lebt seit nunmehr drei Jahrzehnten in Deutschland und bringt ihre eigene Migrationsgeschichte mit. Ihre berufliche Laufbahn ist geprägt von der tiefen Überzeugung, dass individuelle Erfahrungen und kulturelle Vielfalt wertvolle Ressourcen sind. Als Psychologin begleitet und stärkt sie Menschen auf ihrem persönlichen Lebensweg – stets mit dem Blick für das Potenzial, das in jedem einzelnen steckt. Mehrere Jahre lang war Natalia Gärtner als muttersprachliche Beraterin für von Gewalt betroffene Frauen in der Frauenberatungsstelle Osnabrück tätig. Anschließend übernahm sie im Auftrag des Bistums Osnabrück die muttersprachliche Ehe- und Lebensberatung und ermöglichte es Ratsuchenden, ihre Herausforderungen und Träume in der eigenen Sprache zu formulieren. Im Jahr 2025 eröffnet sie ihre eigene Praxis als Psychologin in Osnabrück und bietet damit einen geschützten Raum für persönliche Entwicklung und professionelle Begleitung. Darüber hinaus ist sie seit 2006 Gründungsmitglied und aktive Gestalterin des Metagalaktischen Zentrums Spektrum e.V., in dem sie ihre interkulturelle Kompetenz und ihre Begeisterung für gemeinschaftliche Projekte einbringen.
Sabine Meyer
Sabine Meyer gründete 2007 das Erzähltheater Osnabrück und ist bundesweit als professionelle Erzählerin und Dozentin tätig. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Erzählprojekte mit unterschiedlichen Zielgruppen. In den Jahren 2010 und 2011 realisierte sie gemeinsam mit Natalia Gärtner zwei vom ESF geförderte Erzählprojekte für Frauen mit Migrationshintergrund in der Frauenberatungsstelle Osnabrück. Ihr liegt am Herzen, dass Menschen ihre eigenen Geschichten erzählen lernen, um so einen neuen Zugang zu sich selbst, ihren Kompetenzen und Träumen zu finden. Für sie ist das freie Erzählen die ursprünglichste Form menschlicher Kommunikation: „Alles, was wir wissen, erleben und erträumen, unsere Ziele, Zweifel und Sehnsüchte – all das ordnen wir in Geschichten. In ihrer Vielfalt spiegelt sich unsere Individualität wieder.“